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    This is a discussion on Gender Studies within the Deutsch [German] forums, part of the AM Other Languages category; Interessantes aus einem Blog: Der Spiegel, 30. Dezember 2006: Der neue Mensch Von René Pfister Unter dem Begriff "Gender Mainstreaming" ...


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      #1  
    Old 10th-September-2008
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    Gender Studies

    Interessantes aus einem Blog:

    Quote:
    Der Spiegel, 30. Dezember 2006:
    Der neue Mensch
    Von René Pfister

    Unter dem Begriff "Gender Mainstreaming" haben Politiker ein Erziehungsprogramm für Männer und Frauen gestartet. Vorn dabei: Familienministerin Ursula von der Leyen. Der Nationalpark Eifel ist ein schöner Flecken Erde zwischen Bonn und Aachen. Lichte Buchenwälder wechseln sich ab mit duftenden Heidewiesen. Es ist ein Ort, an dem alle Menschen gleichermaßen Ruhe und Erholung finden, Männer wie Frauen; ein Ort, so möchte man meinen, wo der Geschlechterkampf pausiert. Das Umweltministerium Nordrhein-Westfalen traute dem Frieden nicht und schickte ein Expertenteam los, eine Soziologin, eine promovierte Ökotrophologin, sie hatten einen wichtigen Auftrag: "Gender Mainstreaming im Nationalpark Eifel - Entwicklung von Umsetzungsinstrumenten". Das klingt kompliziert, aber dahinter stand die Überzeugung, dass Sexismus nicht vor den Grenzen eines Naturschutzgebiets haltmacht.

    Nach elf Monaten Arbeit legte das Forscherteam einen 67-seitigen Abschlussbericht vor. Es empfahl zum Beispiel, Bilder von der Hirschbrunft möglichst aus Werbebroschüren zu streichen, denn so etwas fördere "stereotype Geschlechterrollen". Die Landesregierung überwies 27 000 Euro für die Studie.
    Man könnte die Sache für das Ergebnis einer übereifrigen Bürokratie halten, wäre da nicht diese merkwürdige Wendung "Gender Mainstreaming". Die Spitzenleute im Kanzleramt kennen sie ebenso wie die Angestellten in Rathäusern und Kreisämtern, sie ist eingedrungen in die Verwaltung des Staates, leise, aber mit beträchtlicher Wirkung. Gender Mainstreaming ist Leitprinzip für alle Bundesbehörden, so steht es in der Geschäftsordnung der Regierung, zwölf Bundesländer sind mit ähnlichen Regelungen nachgezogen, das CSU-regierte Bayern genauso wie der rot-rote Berliner Senat. Vor allem Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) ist die Sache ein Anliegen. In ihrem Haus gibt es ein eigenes Referat Gender Mainstreaming und Antidiskriminierung, das Thema nimmt auf der Internet-Seite des Ministeriums breiten Raum ein. Gleich zu Amtsbeginn beklagte die neue Ressortchefin: "Mit Gender Mainstreaming hinken wir der internationalen Entwicklung hinterher." Was aber bedeutet Gender Mainstreaming, ein Begriff, der inzwischen so verbreitet ist, dass die Redaktion des Duden ihn vor kurzem in die 24. Ausgabe aufgenommen hat? Hinter dem sperrigen Anglizismus steckt mehr als klassische Frauenförderung, wie sie die Gleichstellungsbeauftragten im Sinn haben, die es heute in jeder größeren Verwaltung gibt. Gender Mainstreaming will nicht nur die Lage der Menschen ändern, sondern die Menschen selbst.
    Das englische Wort "Gender" beschreibt die erlernte Geschlechterrolle, es drückt die Vorstellung aus, dass Männer und Frauen sich nur deshalb unterschiedlich verhalten, weil sie von der Gesellschaft dazu erzogen werden. Das ist kein neuer Gedanke, Simone de Beauvoir schrieb schon 1949: "Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird es." Neu ist, dass die Idee Eingang in die Politik gefunden hat, und dort entfaltet sie eine tiefgreifende Wirkung. Denn wenn das Geschlecht nur ein Lernprogramm ist, dann kann man es im Dienst der Geschlechtergerechtigkeit auch umschreiben. Das ist ein Ziel des Gender-Mainstreaming-Konzepts. Nach dem Antidiskriminierungsgesetz ist dies nun das zweite gesellschaftspolitische Projekt von Rot-Grün, das unter der neuen Bundesregierung mit Elan weiterbetrieben wird.

    Wer eine Vorstellung davon bekommen möchte, wie Gender Mainstreaming in der Praxis funktioniert, muss bei Ralf Puchert vorbeischauen. Puchert hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, einen anderen Mann zu formen, er verfolgt den Gedanken, seit er in den achtziger Jahren an der TU Berlin studiert hat. 1989 schloss er sich mit vier anderen Pädagogen aus seiner Männergruppe zusammen und gründete "Dissens", einen Verein für eine "aktive Patriarchatskritik". Inzwischen sind die meisten Männergruppen im Orkus der Zeitgeschichte verschwunden, Dissens aber ist ein florierender Betrieb mit 20 Mitarbeitern, eine Art Allzweck-Anbieter für progressive Geschlechterarbeit. Die späte Blüte verdankt der Verein auch dem Umstand, dass Gender-Mainstreaming-Projekte seit einigen Jahren großzügig gefördert werden; Aufträge kamen schon von der Stadt Berlin, der Bundesregierung, der EU-Kommission. Spezialgebiet des Vereins ist Jungenarbeit. Von dieser hat Dissens eine sehr eigene Vorstellung, denn es geht dabei auch darum, Jungs früh zu Kritikern des eigenen Geschlechts zu erziehen. Es gibt ein einprägsames Beispiel, wie die Gender-Theorie Eingang gefunden hat in die angewandte Pädagogik. So spielten Dissens-Mitarbeiter bei einer Projektwoche mit Jungs in Marzahn einen "Vorurteilswettbewerb", an dessen Ende die Erkenntnis stehen sollte, dass sich Männer und Frauen viel weniger unterscheiden als gedacht. Es entspann sich eine heftige Debatte, ob Mädchen im Stehen pinkeln und Jungs Gefühle zeigen können, Sätze flogen hin und her. Am Ende warfen die beiden Dissens-Leute einem besonders selbstbewussten Jungen vor, "dass er eine Scheide habe und nur so tue, als sei er ein Junge", so steht es im Protokoll. Einem Teenager die Existenz des Geschlechtsteils abzusprechen ist ein ziemlich verwirrender Anwurf, aber das nahmen die Dissens-Leute in Kauf, ihnen ging es um die "Zerstörung von Identitäten", wie sie schreiben. Das Ziel einer "nichtidentitären Jungenarbeit" sei "nicht der andere Junge, sondern gar kein Junge".
    Gender Mainstreaming ist eine Reaktion auf die Klage vieler Feministinnen in den neunziger Jahren, dass die traditionellen Instrumente der Frauenförderung nicht ausreichten. Deswegen sollen nun Gleichstellungsbemühungen in alle Bereiche des öffentlichen Lebens Einzug halten, man will in den "Mainstream" staatlichen Handelns und dabei auch Männer dazu bringen, auf Macht und Einfluss zu verzichten. "Gender Mainstreaming" sei ein Projekt, "das die Privilegien von Männern als sozialer Gruppe in Frage stellt", sagt Sabine Hark, eine der führenden Gender-Theoretikerinnen in Deutschland. Seit gut anderthalb Jahren finanziert das Bundesfamilienministerium die Aktion "Neue Wege für Jungs", eine Art Berufsberatung für männliche Teenager. Es ist eine Reaktion auf den "Girls' Day", den es schon länger gibt und mit dem junge Mädchen dazu gebracht werden sollen, Berufe wie Ingenieur oder Techniker zu lernen und sich nicht auf klassische Frauenberufe wie Altenpflegerin oder Friseurin zu beschränken. Es ist eine sinnvolle Sache. Auf den ersten Blick erscheint auch "Neue Wege für Jungs" durchaus vernünftig, die Macher werben mit Postern, auf denen lässige Teenager einer fröhlichen Zukunft entgegenblicken. Eigenartig ist nur, dass "Neue Wege für Jungs" den männlichen Schulabgängern genau jene Pflege- und Sozialberufe empfiehlt, zu denen man Mädchen nicht mehr raten will, weil sie zu geringe Karriereaussichten bieten. Es ist unbestritten, dass in Deutschland von echter Gleichberechtigung keine Rede sein kann. In den Vorständen der 30 Dax-Unternehmen sitzt keine einzige Frau, nur acht Prozent der Professuren in der höchsten Besoldungsgruppe sind weiblich besetzt, und Männer verdienen in vergleichbaren Positionen in Großunternehmen im Schnitt immer noch 23 Prozent mehr als ihre Kolleginnen. Die Frage ist nur, ob Gender Mainstreaming die richtige Antwort darauf ist. Denn es ist ein Unterschied, ob der Staat sich darum bemüht, Benachteiligungen mit gezielter Förderung zu beseitigen - oder ob er sich herausnimmt, neue Rollenbilder für die Menschen zu entwickeln und dabei schon Jugendliche in den Dienst eines sozialpädagogischen Projekts zu stellen, das auf einer zweifelhaften theoretischen Grundlage steht.

    Der amerikanische Mediziner John Money war einer der Ersten, die wissenschaftlich zu beweisen versuchten, dass Geschlecht nur erlernt ist, er war einer der Pioniere der Gender-Theorie. Money ging bei seiner Forschung nicht zimperlich vor: Im Jahr 1967 unterzog er den knapp zwei Jahre alten Jungen Bruce Reimer einer Geschlechtsumwandlung; dessen Penis war zuvor bei einer Beschneidung verstümmelt worden. Schon bald zeigte sich, dass sich die Realität nicht Moneys Theorie beugen wollte. Schon als kleines Kind riss sich Brenda, wie Bruce nun hieß, die Kleider vom Leib, um Mädchenspielzeug machte sie einen weiten Bogen. Als Brenda mit 14 erfuhr, dass sie als Junge auf die Welt gekommen war, ließ sie die Geschlechtsumwandlung rückgängig machen. Im Frühjahr 2004 erschoss sich Bruce Reimer mit einer Schrotflinte.

    Noch heute führt jede neue Studie über die Gründe für das unterschiedliche Verhalten der Geschlechter zu heftigen Debatten. Das liegt vor allem daran, dass es eine politische Frage ist, ob Natur oder Kultur den Menschen zu Mann oder Frau macht. Würden Gene und Hormone das Verhalten der Menschen steuern wie eine Fernbedienung, dann könnten Gegner einer echten Gleichstellung der Geschlechter es zu einer Art Naturgesetz erklären, dass Frauen ihr Leben in Sorge um Kind und Heim verbringen müssen. Das erklärt wiederum, warum viele Feministinnen und Gender-Theoretiker so vehement bestreiten, dass es überhaupt einen Unterschied gibt zwischen Mann und Frau außer Penis und Vagina. Sie fürchten, dass alles andere als Rechtfertigung benutzt wird, um Frauen Rechte und Lebenschancen vorzuenthalten. Die wohl einflussreichste und radikalste Vertreterin der Gender-Theorie ist die im kalifornischen Berkeley lehrende Professorin Judith Butler. Für Butler ist die Geschlechtsidentität der meisten Menschen eine Fiktion, eine "Komödie", die aufzuführen sie von frühester Kindheit an eingebläut bekommen. Das Zusammenleben von Mann und Frau und das sexuelle Begehren zwischen den unterschiedlichen Geschlechtern betrachtet sie als Ausdruck eines perfiden Repressionssystems, der "Zwangsheterosexualität".

    Es ist leicht, Butler für das Produkt eines etwas überdrehten amerikanischen Universitätsbetriebs zu halten. Aber das hieße, ihre Wirkung zu unterschätzen. An jeder der zahlreichen deutschen Hochschulen, die Gender-Studien anbieten, gehört Butler zum Kanon, und für die Studenten bieten sich immer mehr Möglichkeiten, das Erlernte in die Praxis umzusetzen. Den Gender-Theoretikern ist es gelungen, aus ihrer akademischen Nischendisziplin ein bürokratisches Großprojekt zu machen. Bis in die Provinz sind die Gender-Arbeiter schon vorgedrungen.
    Für die Dorferneuerung von Jützenbach, einer 550-Einwohner-Gemeinde im Südharz, gab das Erfurter Landwirtschaftsministerium einen "Gender-Check" für 15 000 Euro in Auftrag, der unter anderem zu der Erkenntnis führte, dass in der freiwilligen Feuerwehr nur eine einzige Frau Dienst tut. Die Freiburger Stadtverwaltung hat einen Leitfaden für Erzieher herausgegeben, damit "negativen Einwirkungen jungmännlicher Dominanz" schon im Kindergarten begegnet wird. Kaum ein Bürger weiß, was Gender Mainstreaming heißt, die deutschen Staatsdiener aber bekommen immer ausgeklügeltere Leitfäden dazu auf den Tisch, es gibt Pilotprojekte, Lehrgänge und Machbarkeitsstudien. An der Berliner Humboldt-Universität hat die Regierung eigens ein "Kompetenzzentrum" eingerichtet, in dem acht Wissenschaftler darüber wachen, dass Gender Mainstreaming korrekt in den Staatskörper eingepflanzt wird. In jedem Berliner Bezirksamt hängt am Schwarzen Brett inzwischen ein Fortschrittsbericht der "Gender-Geschäftsstelle". Vor allem der Bund sorgt dafür, dass die Experten zu tun haben. Das Verkehrsministerium zahlte 324.000 Euro für das Papier "Gender Mainstreaming im Städtebau", und dabei kam unter anderem heraus, dass sich die Herren der Stadt Pulheim bei Köln gern eine Boulebahn beim Neubau des Stadtgartens wünschen.
    Das Bundesumweltministerium hat 180.000 Euro für die Studie "Gender Greenstreaming" übrig, zu deren Ergebnissen gehört, dass es geschlechterpolitisch sinnvoll wäre, wenn es auch mal "Motorsägenkurse für Frauen" gäbe. Und das nächste Projekt steht schon auf der Tagesordnung. Seit März liegt im Bundesfamilienministerium eine "Machbarkeitsstudie Gender Budgeting", sie hat 180.000 Euro gekostet, der Haushalt etlicher Ministerien wurde dafür untersucht. Würde es umgesetzt, müsste jeder einzelne Finanzposten danach abgeklopft werden, ob er geschlechterpolitisch korrekt ausgegeben wird. Es wäre der Sieg der Bürokratie über die Vernunft, denn es ist schwer zu klären, ob nun eher Frauen oder Männer einen Vorteil haben, wenn die Regierung Steinkohlesubventionen zahlt oder einen neuen Kampfhubschrauber bestellt. Inzwischen dämmert es einigen in der Union, dass ein Projekt wie Gender Mainstreaming kaum mit der Programmatik einer konservativen Partei zu vereinbaren ist.
    "Ich frage mich wirklich, ob wir damit den richtigen politischen Schwerpunkt setzen", grummelt der Unionsfraktionsvize Wolfgang Bosbach. Bisher war es immer Position der Union, sich aus dem Privatleben der Menschen möglichst herauszuhalten; sie wollte den Staat nach ihrem Willen formen, aber nicht die Bürger. Ursula von der Leyen hat sich eine Doppelstrategie überlegt, um der Kritik auszuweichen. Öffentlich wird die Ministerin das Wort Gender Mainstreaming nicht mehr in den Mund nehmen, in einer Leitungsbesprechung in ihrem Haus wurde verfügt, dass künftig die Formel "Gleichstellungspolitik als Erfolgsstrategie" zu verwenden sei. Aber das ändert nichts an ihrer Linie. Wer den "Newsletter zu Gleichstellungspolitik" des Ministeriums abonniert, findet unter der Rubrik "Neues aus dem GenderKompetenzZentrum" weiterhin regelmäßig Erfolgsmeldungen. Von der Leyen hat schon zu Beginn ihrer Amtszeit klargemacht, dass sie sich im Gegensatz zur Kanzlerin nicht mit einer Politik der kleinen Schritte begnügen will. "Ich möchte in diesem Land etwas bewegen", sagte sie.
    Quote:
    Gender Studies

    Feministische Nacherziehung

    Von Alex Baur

    Vor dem Gesetz sind Mann und Frau längst gleich. Doch den Schweizer Gleichstellungsbeauftragten geht das zu wenig weit. Unter dem Begriff «Gender Mainstreaming» soll die Gleichschaltung der Geschlechter mit pädagogischem Furor und bizarren Programmen vollendet werden.


    Gleich zwei Bundesräte verfassten eine Grussbotschaft, als kürzlich die Eidgenössische Kommission für Frauenfragen ihren 30. Geburtstag feierte. Pascal Couchepin lobte das «kämpferische Engagement» der Gleichstellungsbüros und warnte: «Die Arbeit ist nicht zu Ende.» Micheline Calmy-Rey doppelte nach: «Die Umsetzung von Frauenrechten aber war und ist weiterhin nur möglich dank zäher Kleinarbeit von staatlichen Gleichstellungsinstitutionen.» Und auch Ruth Dreifuss lancierte eine Durchhalteparole: «Es geht darum, die grosse, friedliche Revolution des 20. Jahrhunderts zu Ende zu führen.»

    Wenn eine Institution immer wieder daran erinnern muss, wie wichtig sie sei, dann liegt der Verdacht nahe, dass sie im Grunde überflüssig ist. Und man fragt sich: Was machen eigentlich die neun Mitarbeiterinnen beim Gleichstellungsbüro der Stadt Zürich den lieben langen Tag? Und ihre fünf Kolleginnen der kantonalen Fachstelle für Gleichstellungsfragen? Und die fünfzehn Mitarbeiterinnen vom Eidgenössischen Büro für Gleichstellung? Und all die anderen Frauen bei den landesweit einschlägigen 127 Institutionen, 65 Netzwerken und 160 Organisationen, die im Verzeichnis der Schweizerischen Konferenz der Gleichstellungsbeauftragten aufgeführt sind?

    Geschlechtlich korrekte Gesetze

    Konkret fassbar ist vorweg ein ansehnlicher Ausstoss an Broschüren, Studien, Communiqués, Vernehmlassungen und Ratgebern. Vernetzung, so ist dort nachzulesen, sei die Basis jeder Frauenförderung (bei Männern würde man von Filz reden). Das alles riecht nach Selbstzweck. Doch wer meint, die Gleichstellerinnen würden lediglich an Konferenzen gehen und zwischen Amtsstuben herumtelefonieren, der denkt zu kurz.

    Die wichtigste Mission der Gleichstellerinnen findet weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt und kann als Fortsetzung des feministischen Volkserziehungsprojekts verstanden werden: das sogenannte Gender Mainstreaming. Die Gleichstellungsfunktionäre durchleuchten sämtliche Gesetze und Vorschriften als eine Art moralische Instanz auf ihre geschlechtlich korrekte Anwendung. Vordergründig geht es um die Durchsetzung eines Verfassungsartikels, was in einem Rechtsstaat selbstverständlich sein müsste. Ist es auch längst. Doch das Ziel ist viel weiter gesteckt: Über Jahrtausende gewachsene Rollen von Mann und Frau sollen zerschlagen, durch sanfte, aber stete Berieselung sollen die Menschen zu neuen, besseren Menschen umerzogen werden.

    Dore Heim, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Zürich, eine dynamische Frau mit jovialen Zügen, ist eine Meisterin in dieser Disziplin. Sie hat ihr Metier als Sekretärin der Medien-Gewerkschaft SJU (heute Comedia) gelernt. Heim erklärt ihre neuste Kampagne gegen «sexistische Werbung» anhand von Beispielen. Der Werbeslogan der Uhrenfirma IWC («Fast so schön wie eine Frau. Tickt aber richtig») etwa sei zwar sexistisch, aber trotzdem akzeptabel, ja vielleicht sogar begrüssenswert, da ironisierend. Problematisch sei dagegen der Spruch «Sicher nichts für Frauenhände – ausser beim Einpacken» (Panasonic), da er ernst genommen werden könnte. Klar verwerflich sei das Inserat eines Autoherstellers, der mit weiblichen Kurven wirbt: Da kein Zusammenhang zum Produkt besteht, werde die Frau als Objekt missbraucht.

    Frau Heim möchte keineswegs als schmallippige Zensorin auftreten. Jeder solle selber darauf kommen, was gut und was verboten sei. Denn: «Sexistische Werbung verkauft schlecht.» – Warum dann die Zensur? – Weil es halt immer noch kleine Firmen gebe, die mit handgestrickten Kampagnen operierten. Sie wären demnach vor ihrer eigenen Dummheit zu schützen.

    Nur jene Werber, ob Profis oder Amateure, die nicht «freiwillig» spuren, werden durch einen mehrstufigen Kontrollapparat – von der brancheneigenen «Lauterkeitskommission», in der Heim Einsitz hat, über das Hochbaudepartement bis zur Gewerbepolizei, die sie im Zweifel um Rat fragen – ausgebremst. So hat die Stadt Zürich kürzlich ein geplantes Megaposter des Mode-Labels Diesel auf privatem Grund verboten, auf dem das nackte Hinterteil eines Schwarzen zu sehen gewesen wäre, der es andeutungsweise mit drei weissen Frauen treibt. Das Bild ist gemäss Heim diskriminierend, weil es auf angebliche Klischeevorstellungen von afrikanischer Promiskuität anspiele.

    Das Beispiel zeigt, dass die Mission der Gleichstellerinnen über den Geschlechterkampf hinausgeht und allerlei andere politische Anliegen verwirklichen will. Neuerdings möchte das Gleichstellungsbüro die Buchhaltungen von Arbeitgebern, welche für die Stadt arbeiten, auf «diskriminierende» Saläre durchleuchten. Damit ein objektiver Vergleich überhaupt möglich ist, müssen die Löhne standardisiert werden, was einem gewerkschaftlichen Uranliegen entspricht. Nicht mehr der freie Markt soll das Salär bestimmen, sondern Gesamtarbeitsverträge.

    Ein anderes Kernanliegen mit nebulösem Bezug zur «Gleichstellung» ist die «Männergewalt». Von der Wiege bis zur Bahre soll Frauen vor Augen geführt werden, wie gefährlich das andere Geschlecht ist. Das beginnt mit dem Kurs für Zürcher Primarschüler unter dem Titel «weder Tussis noch Machos». Mädchen lernen hier, wie sie Buben durch einen gezielten Kniestoss in die Weichteile flachlegen, Buben üben derweil, mit ihrer latenten Brutalität umzugehen. Die feministische Nacherziehung findet ihre Fortsetzung an der Maternité im Triemli, wo Patientinnen systematisch nach Gewalterfahrungen ausgefragt werden. In einer späteren Phase soll das Projekt aufs Land hinausgetragen werden.

    Man kämpft für eine gute Sache

    Ein effizientes Instrument zur nachhaltigen Bewusstseinsförderung ist sodann das «Reglement für sprachliche Gleichstellung», das den geschlechtlich korrekten Sprachgebrauch im Zürcher Beamtenalltag regelt, vom sogenannten «Binnen-I» bis zur «Verwendung von substantivierten Adjektiven und Partizipien bei sog. geschlechtsabtsrahierenden Personenbezeichnungen». Strikte zu vermeiden sind neben «man» auch Pronomen wie «jemand», «niemand», «jeder» und «wer», die «in Anschlusssätzen maskuline Pronomen nach sich ziehen».

    Gemäss Abs. 2 im Anhang ist auch inhaltliches Denken Pflicht: «Nennen Sie Frauen zuerst, um auf Ihre Beiträge aufmerksam zu machen.» Und weiter: «Wenn Frauen und Männer explizit angesprochen werden, müssen die Aussagen differenziert formuliert werden.» Wenn beispielsweise von Gewalt die Rede sei, so heisst es dort, sollte das Geschlecht der Täter thematisiert werden. Eine weitere Aufschlüsselung nach Herkunft dagegen ist nicht opportun.

    Die sprachlichen Verrenkungen erinnern an die 1930er Jahre, als zur Eindeutschung des völkischen Bewusstseins Bananen zu Schlauchäpfeln und Benzinmotoren zu Verpuffungsbeschleunigern wurden. Dore Heim empfindet den Vergleich als Zumutung – schliesslich kämpft sie für eine gute Sache. Damit lässt sich alles rechtfertigen – bis hin zur Tatsache, dass in jeder Teppichetage mehr Frauen anzutreffen sind als Männer in Gleichstellungsbüros (nämlich keine). Als das Zürcher Gleichstellungsbüro letztmals eine Stelle ausschrieb, meldeten sich auf 160 Frauen zwar vier Männer – doch diese waren gemäss Dore Heim alle schlechter qualifiziert. Das will sie aber keineswegs als Votum gegen Quoten verstanden haben. Schliesslich können sich die Männer beim «Manne-Büro» bewerben.
    Quote:
    noch mehr zu Gender Studies

    Im Labor der Menschenzüchter
    Ideologische Umerziehung: „Gender Mainstreaming“ versucht planmäßig, den Neuen Menschen zu schaffen
    Michael Paulwitz

    Was haben Lenin, Mao und Ursula von der Leyen gemeinsam? Auch die CDU-Familienministerin hängt einer Ideologie an, die sich nicht mit dem Mensch als Mängelwesen abfinden will, wie er nun mal ist, sondern einen neuen Menschen schaffen will, wie er gefälligst sein soll. Noch kann sich unter dem von ihr vorangetriebenen „Gender Mainstreaming“ kaum jemand viel vorstellen. Die Methoden mögen, anders als bei den totalitären Weltanschauungen des zwanzigsten Jahrhunderts, unblutig sein – das Fundament ist kaum weniger radikal.

    Mit „Gender Mainstreaming“ wird die zweite Stufe des Feminismus gezündet. Nachdem dieser mit den traditionellen Instrumenten der Frauenförderung vielfach an die Grenzen harter biologischer Tatsachen gestoßen ist, sollen nunmehr diese Gegebenheiten selbst umgekrempelt werden.

    Die „Gender“-Theorie setzt die erlernten Geschlechterrollen absolut und erklärt die Existenz von „Mann“ und „Frau“ zur repressiven gesellschaftlichen Erfindung. Sie leugnet die Existenz des biologischen Geschlechts und läßt nur das soziale („gender“) gelten. „Geschlecht“ ist demnach eine bloße Frage der Erziehung und kann durch Umerziehung geändert werden. Selbst die sexuelle Anziehung zwischen Mann und Frau sei nichts als patriarchalische Unterdrückung, die die Frauen in „Zwangsheterosexualität“ gefangen halte.

    Das klingt sektiererisch, ist aber längst mehr als eine skurrile Idee radikaler Feministinnen, die Befreiung durch gleichgeschlechtliche Sexualität predigen. Auch der „konventionelle“ Gleichstellungsbeauftragten-Feminismus hatte die „Gender“-Theorie stets im Marschgepäck. Daß sie im Widerspruch zu allen gängigen anthropologischen und naturwissenschaftlichen Erkenntnissen steht, von der Hirn- und Verhaltensforschung bis zur Biologie und Evolutionstheorie, stört eingefleischte Ideologen nicht wirklich.

    Nach jahrelanger Lobby- und Netzwerkarbeit schien in den Neunzigern der Zeitpunkt gekommen, die Sektiererecke zu verlassen und in den „Mainstream“ einzubiegen: „Gender“-Denken soll zur Hauptlinie politischen, staatlichen und administrativen Handelns werden. Nicht nur die Frauen sollen befreit, auch die Männer sollen umerzogen werden, damit sie ihre „Privilegien“ als „soziale Gruppe“ aufgeben.

    Damit ist „Gender Mainstreaming“ ein würdiger Erbe des Jakobinismus: eine tendenziell totalitäre Ideologie, die nach dem Kaderprinzip durch eine auserwählte Truppe Linientreuer von oben nach unten durchgesetzt werden soll. Zunächst ohne großes Aufsehen und mit freundlichen Universalismen garniert, denen eine ignorante und opportunistische Politiker- und Medienkaste kaum zu widersprechen sich die Mühe macht, werden Netzwerke und Seilschaften aus dem vorpolitischen Raum in bürokratische Strukturen überführt, deren Eigendynamik irreversible Fakten schafft. Die Parallele zur Erfolgsgeschichte des Multikulturalismus drängt sich geradezu auf.

    Von der „Aktionsplattform“ der Pekinger Weltfrauenkonferenz fand „Gender Mainstreaming“ als unverbindliche Empfehlung, in allen Politikfeldern und Programmen die „Gender“-Perspektive zur Leitlinie zu erheben, im Dezember 1995 Eingang in eine Uno-Resolution, wurde noch im selben Monat zur verbindlichen EU-Politik erhoben und schließlich auch im Amsterdamer Vertrag festgeschrieben. Unter dem Dach des EU-Kommissariats für Beschäftigung und Soziales bauten die einschlägigen Lobbyistinnen die ideologisch fundierte Gleichstellungs-, Gleichbehandlungs- und Antidiskriminierungs-Politik systematisch aus. Zu Zeiten von Kanzler Schröder wurde „Gender Mainstreaming“ in die Geschäftsordnung der Bundesregierung übernommen und zum Leitprinzip für alle Bundesbehörden gemacht, zwölf Bundesländer zogen nach – auch die angeblich konservative bayerische CSU-Regierung.

    Seither wird also in Deutschland „gegendert“, was das Zeug hält. Reichlich fließt Staatsknete für „Gender Checks“ und Implementierungsstudien für Nationalparks, Städtebau, Dorferneuerung oder Umweltpolitik. Verwaltungsangestellte werden in Gender-Sensibilität und Kindergartenerzieher in der Prävention gegen „jungmännliche Dominanz“ geschult. „Familien“-Ministerin von der Leyen hat eine eigene Internet-Plattform und ein „GenderKompetenzZentrum“ an der Humboldt-Universität eingerichtet. Das schafft Jobs für zahllose unterbeschäftigte Sozialpädagogen. An wuchernden Budgets und Stellenplänen läßt sich der Erfolg ablesen.

    Die fatale Dynamik dieses Konzepts steckt dabei in der Interessenkoalition mit dem vorherrschenden platten Ökonomismus. Die schon von Alice Schwarzer geforderte und von „Gender Mainstreaming“ in letzter Konsequenz anvisierte völlige Abschaffung der Hausfrau und Mutter als akzeptierter Lebensform trifft sich mit dem technokratischen Interesse an der totalen Mobilmachung aller „menschlichen Ressourcen“ zur abhängigen Vollzeit-Erwerbstätigkeit.

    Trotz der manifesten Absurdität vieler bisheriger Ergebnisse besteht daher zum Belächeln kein Anlaß. Der Genderismus ist nicht nur ein Lehrstück darüber, wie eine Handvoll tüchtiger und gut vernetzter Lobbyistinnen „aus ihrer akademischen Nischendisziplin ein bürokratisches Großprojekt“ (Spiegel) gemacht haben. Er gibt auch Anschauungsunterricht, wie leicht die abgehobenen und kaum kontrollierten EU-Mechanismen zum Vehikel entschlossener Ideologen gemacht werden können. Nicht zuletzt wirft der Durchmarsch der Gender-Gläubigen ein bezeichnendes Licht auf die Rolle der Unionsparteien, die sich aus Ignoranz, Anpassertum oder oberflächlicher Fortschrittsduselei bei jedwedem linkem Gesellschaftsveränderungsprojekt kritiklos anbiedern.

    Da mag Frau von der Leyen ihr Projekt noch so sehr als „Gleichstellungspolitik als Erfolgsstrategie“ verharmlosen: Es geht um mehr. Die Genderisten sind keine redlichen Bürgerrechtler, sondern ideologiegetriebene Manipulatoren und Menschen-Ingenieure, die sich nach der Vergewaltigung der Sprache im Namen der Geschlechtergerechtigkeit als nächstes die Köpfe vorgenommen haben. Das Großexperiment der „politischen Geschlechtsumwandlung“ (Volker Zastrow) ist mit einem freiheitlich-konservativen Menschenbild grundsätzlich nicht zu vereinbaren. Sich gegen diese ideologische Bevormundung zur Wehr zu setzen, wäre keineswegs ein Kampf gegen die Rechte der Frauen, sondern für die Natur und Würde des Menschen.
    iiirgendwas Blog: Gender Studies




    Quote:
    The men's and fathers' movement needs to make sure it never sees females as the enemy,
    but only misandry--whether from females or from males.
    If not, we'll become like the bigoted feminists that this movement was formed to oppose.
    Glenn Sacks
    Disclaimer:
    http://antimisandry.com/109272-post69.html

    Blog:
    http://feck-blog.blogspot.com/

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